Beitrag zur Anreicherung der deutschen Sprache

Meine deutschen Mitmenschen sind doch sonst nicht so zögerlich bei der Anreicherung der deutschen Sprache. Viele, aber immer noch zu wenige riestern, andere hartzen (einige sogar in Florida). Warum guttenbergt denn niemand?

Riester-Rente

Vor einigen Jahren war bei einer Versicherungsfirma zu Bewerbungsgespräch. Ich musste dort hin, man hatte mich (damals arbeitssuchend gemeldet) durch eine Datenbank der Arbeitsagentur ausfindig gemacht. Der altgestandene Versicherungsmann erklärte mir ausführlich die rosigen Verdienstaussichten, denen die Versicherer entgegensehen, wenn endlich alle riestern. Damals hörte ich diesen Begriff zum ersten Mal. Heutzutage liefert Google bei der Eingabe des Namens an erster vorderster Stelle Webseiten, die mit der Riester-Rente in Zusammenhang stehen. Das Herr Riester heute allerdings

…als Referent bei verschiedensten Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche in Erscheinung…

tritt, findet man zwar in der Wikipedia, scheint aber sonst für seine Erfindung nicht von Nachteil zu sein.

Hartz IV

Ebenfalls in jener Zeit bereicherte Herr Peter Hartz den deutschen Sprachschatz , war er doch an entscheidender Stelle mit der sogenannten Reform des Arbeitsmarktes befasst, wobei nun insbesondere die Neuausrichtung der Sozialgesetzgebung mit seinem Namen in Verbindung gebracht wird.

Herr Hartz erhielt sogar das Bundesverdienstkreuz und der Ehrentitel Professor wurde ihm verliehen.

Im Jahr 2007 kam unser Namensgeber schon wieder in die Schlagzeilen. Auch in diesem Fall ging es um Geld. Peter Hartz wurde angeklagt, 2,6 Mio EUR veruntreut zu haben. Wikipedia fasst den fall wie folgt zusammen:

Das Landgericht Braunschweig folgte dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Verteidiger und verhängte am 25. Januar 2007 wegen Untreue und Begünstigung des VW-Betriebsratschefs eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen a 1600 € (insgesamt also 576.000 €). Er gilt damit als vorbestraft.

Guttenberg

In den Wintermonaten des Jahres füllte die Plagiatsaffäre des damaligen Verteidigungsministers wochenlang Zeitungen und Blogs. Nach dessen Rücktritt war die Angelegenheit noch nicht abgeschlossen, den die Uni Bayreuth sollte oder musste noch klären, ob Absicht oder Nachlässigkeit im Spiel waren. Anscheinend ersteres, WELT ONLINE fasst den aktuellen Stand so zusammen:

Mehrere Zeitungen hatten berichtet, Guttenberg wolle nicht zulassen, dass die Untersuchung seiner Dissertation veröffentlicht werde. Die Universität Bayreuth gehe davon aus, dass Guttenberg beim Verfassen seiner Dissertation absichtlich getäuscht habe.

Doch damit ist die Angelegenheit noch nicht beendet, denn neue Namen kommen ins Spiel. Auf VroniPlag werden im Augenblick die Dissertationen von

  • Dr. Veronica Saß
  • Dr. Matthias Pröfrock
  • Dr. Silvana Koch-Mehrin

untersucht.
Frau Dr. Veronica Saß ist Rechtsanwältin bei Raupach & Wollert-Elmendorff – Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Sie ist die Tochter des ehemaliegen bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Frau Saß ist gewissermaßen die Namensgeberin von Vroni-Plag. Ihr Index liegt dort im Augenblick bei 44,89%. Dieser Index gibt an, auf wie vielen seiten im Verhältnis zur Gesamtseitenzahl der Dissertation (vermeintliche) Plagiate gefunden wurden.

Nächster im Bunde ist Dr. Matthias Pröfrock. Er ist ein deutscher Politiker und Mitglied der CDU. Mir war es bisher nicht bekannt. Der Jurist (ja, auch er) Pröfrock hat bei den baden-würtembergischen Landtagswahlen im Jahr 2011 kandidiert und 36,8% der Stimmen seines Wahlkreises erhalten. Ob das zu einem Sitz im Landtag gereicht hat, habe ich nicht ermittelt. Bei Vroni-Plag liegt er mit Plagiastindex von 46,40% (aktuell) noch vor der Namensgeberin.

Noch nicht ganz so erfolgreich (bisher jedenfalls) ist die Abgeordnete der FDP für das Europa-Parlament Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin. Sie erreicht einen bei Vroni-Plag einen Index von 17,41%.

Der Vorschlag

Da nun anscheinend das Schreiben von Dissertationen nicht selten mit einem Vorgehen á la Guttenberg verbunden zu sein scheint läge es doch nahe, eine derartig verfasste Dissertation einfach als Guttenwerk zu bezeichnen, das entsprechende Vorgehen, die Tätigkeit also, mit dem neudeutschen Verb guttenbergen.

Ich hoffe, dass diese Idee nicht schon jemand vor mir hatte. Auf jeden Fall versichere ich hiermit: Sie ist kein Guttenwerk.