Ein kleine Chronologie des Kapitalismus

Eigentlich ist die Überschrift nicht ganz richtig gewählt, denn in der historischen und wirtschaftsgeschichtlichen Literatur wird häufig davon gesprochen, dass es bereits im Römischen Reich oder sogar noch früher Erscheinungsformen in der Gesellschaft gab, die mit dem Begriff Kapitalismus in Verbindung gebracht werden. Ich meine hier also eher den modernen Industriekapitalismus,  der sich Ende des 18. Jahrhunderts (zuerst in England) entwickelte. Allerdings wähle ich hier -beinahe willkürlich- das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts als Beginn meiner kleinen Chronologie.

Leopold und die 10 Millionen

Im Jahr 1865 bestieg nach dem Tod Leopold I.  dessen Sohn Leopold II. den belgischen Thron. Leo schaute sich mit großem Interesse an, was in der Welt passiert und er unterstützte die Erforschung des Kongobeckens nach Kräften. Sein persönliches Engagement war so groß, dass ihm auf der Kongokonferenz 1884/85 der Etat indépendant du Congo als Privateigentum zugesprochen wurde.

Nun war es in jener Zeit so, dass der Rohstoff Kautschuck zunehemend an Bedeutung gewann. Den konnte man in der Region gewinnen. Leo II. machte daraus ein großes Geschäft. Da ihm dabei die Einheimischen nicht ganz freiwillig helfen wollten, musste etwa 10 Millionen von ihnen sterben, die Einwohnerzahl halbierte sich innerhalb von etwa 40 Jahren.

Gründliche Zu-spät-Kommer

Das deutsche Kaiserreich musste sich beeilen, Briten und Franzosen hatte sich bereits die lukrativsten Happen aus dem dem großen Kuchen Afrika gesichert. Da blieben nur noch Landstriche wie das weitgehend von Wüsten bedeckte Süd-West-Afrika, heute Namibia. Nama und Heroe, die beiden wichtigsten Volksgruppen in diesem Gebiet wurde diskriminiert, aus ihren angestammten Weidegebieten vertrieben, diskriminiert, übers Ohr gehauen. Sie werten sich -doch erfolglos. Bei den Kampfhandlungen, in Gefangenen-Lagern und bei der aussichtslosen Flucht durch die beinahe wasserlose Wüste starben so fiele Menschen, dass von 80.000 bis 100.000 Hereo im Jahr 1904 sechs jahre später nur noch 15.000 übrig waren. Auch rund 10.000 Nama verloren ihr Leben, 75.000-95.000 Tote also; das auf Grund der natürlichen Bedingungen ja nur dünn besiedelte Land war beinahe entvölkert.