Ohrfeigen in Hintervorpommern

Auch wenn die GROSSE STAUBWOLKE inzwischen beinahe alle anderen Themen aus den Medien verdrängt hat möchte ich doch noch auf eines zurückkommen, dass lange Zeit an erster Stelle im vielfältigen Medienmainstream stand: die Mixa-Ohrfeige.

Mixa ist ja nunmehr aus einer Art Amnesie wieder aufgetaucht.  Auf Zeit Online (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-04/mixa-ohrfeigen) kann man lesen:

Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor zwanzig oder dreißig Jahren natürlich nicht ausschließen kann.

Sehr interessant finde  ich die Wortwahl: zugespitzt, langjährig, Watschn. In anderen Puvbilkationen ist von Watsch’n die Rede.

Doch noch viel mehr als diese Unentschiedenheit in der bayrischen Orthografie hat mich dieser Satz erstaunt:

Das war damals vollkommen normal und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch.

Ich bin selbst Schüler dieser Generation, bin von Mitte der 60er Jahre an in die Schule gegangen, allerdings nicht in Schrobenhausen, sondern in einer kleinen Kreisstadt im letzten Winkel Vorpommers. Das war nun sicherlich nicht gerade ein Hort des gesellschaftlichen Fortschritts, wenn es so etwas in der DDR überhaupt gab. Aber geohrfeigt wurde ich während meiner 12jährigen Schulzeit kein einziges Mal und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass damals körperliche Züchtigung als normal angesehen wurde.

Oder habe ich jetzt eine Amnesie?